08. Januar 2018

Pfarrer i. R. Werner Schumann ist nach langer Krankheit gestorben


Werner Schumann, langjähriger Pfarrer der ehemaligen Kirchengemeinde Karlsbrunn, ist nach langer und schwerer Krankheit am 3. Januar gestorben. Die die Trauerfeier findet am Freitag, 12. Januar, um 14 Uhr in der Christuskirche in Wittlich (Trierer Landstraße)statt.

Erinnerungen an Werner Schumann von  Tim Jochen Kahlen und Hartmut Richter: 

Werner Schumann wurde am 1. August 1945 in Ibbenbüren geboren. Den größten Teil der Kindheit verbrachte er in Wolfsburg, wo er im Fußballverein spielte und seine Liebe zum VfL entdeckte. Über Diepholz und Euskirchen zog die Familie schließlich nach Düren. Bis zum Abitur 1965 besuchte Werner Schumann das Einhard-Gymnasium in Aachen und studierte dann zu­nächst in Bethel, später in Bonn Ev. Theologie. Zum Pfarrberuf hatten ihn der CVJM und mehrere Aufenthalte in der Ökumeni­schen Kommunität von Taizé gebracht. Sein Aufnahmegesuch als Bruder wurde aber wegen seiner Jugend abgelehnt.


Bei „Help Your Brother“, einem der ersten Austauschprogramme zwischen jungen Briten und Deutschen lernte Werner Schumann 1966 in Rodenkirchen-Michaelshoven seine spätere Frau Christine kennen. Er überzeugte sie, in Deutschland zu bleiben, und die beiden heirateten am 22. März standesamtlich sowie am 14. April 1967 kirchlich in Rodenkirchen. 1969 und 1972 wurden die Söhne Christian und Daniel geboren.

 

Werner Schumann wurde 1971 Vikar bei Pfarrer Gerd Glimm in der Ev. Kir­chengemeinde Karlsbrunn. Am 26. April 1974 wählte ihn das Presbyterium auf die neugeschaffene 2. Pfarrstelle der Gemeinde. Am 26. Mai 1974 wurde er von Gerd Glimm, der 1972 Superintendent des Kirchenkreises Völklingen geworden war, zu­gleich ordiniert und in sein Amt eingeführt.

 

Werner Schumanns frühe Gemeindejahre prägte der Aufbau einer wegweisenden und bis heu­te nach­wirkenden Konfirmandenarbeit. Wochenendseminare, gestaltet von einem Team aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit gemeinsamer Gottesdienstgestaltung und ab­schließendem Mittagessen - das war revolutionär. So gelang es ihm, der Gemeindestruktur aus verstreuten Ortslagen entgegenzuwir­ken und die Altersgruppe der bis Dreißigjährigen ins Gemeindeleben einzubinden.

 

Mit dem Auszug aus der unzureichenden Kapelle und dem Neubau des Gemeindezentrums in Groß­rosseln bekam die Gemeinde ab 1975 einen zweiten Lebensmittelpunkt. Hier etablierte Pfarrer Schu­mann den Kindergottesdienst und legte ihn in die Hände eines engagierten Vorbereitungskreises. Von 1973 bis 1991 war er Kinder­gottes­dienstbeauftragter des Kirchenkreises Völklingen.

 

Gemeinsam mit Gerd Glimm gelang es Werner Schumann durch eine geschickte Aufteilung der Ge­meindekreise die Standorte Naßweiler, Karlsbrunn und Großrosseln im Bewusstsein der gesamten Gemeinde zu verankern.

 

Ab 1980 bestimmten verstärkt politische, ökumenische und soziale Themen seine Arbeit. In Erinne­rung bleiben gemeinsam besuchte Kirchentage und Fahrten zu den großen Friedensde­monstrationen gegen die atomare Aufrüstung in der Eifel und im Hunsrück. Erste Begeg­nungsreisen führten unter zum Teil abenteuerlichen Bedingungen in die damalige Patenge­meinde, spä­ter Partnergemeinde Lebus an der Oder.

 

Ab 1984/85 schlossen sich deutsche Kirchengemeinden mit südafrikanischen Partnerinnen in der ‚Ak­tion Bundesschluss‘ zusammen, um biblisch begründeten Protest gegen die Apartheidpolitik der Re­gierung Südafri­kas in die Öffentlichkeit zu tragen. Werner Schumann organisierte z. B. einen Protest vor der Botschaft Südafrikas in Bonn. Auf der Synode des Kirchenkreises Völklingen 1985 hielt er einen richtungweisenden Vortrag über den „Sonderfonds zur Bekämpfung des Rassismus“. Er sah diese Partnerschaft ebenso wie eine spätere Unterstützung der Aids-Aufklärungskampagne in Johan­nesburg durch den Kirchenkreis Völklingen nie als Selbst­zweck, sondern als miteinander geteilten Alltag, als gemeinsame christlich-politische Arbeit von Geschwistern in zwei Kontinenten.

 

Im Win­tersemester 1986-87 nahm Werner Schumann ein Kontaktstudium bei Prof. Walter J. Hollen­weger in Birmin­gham wahr. In dem, was Hollenweger wichtig war und was er als interkulturelle The­ologie lehrte, fand Werner Schumann Klärungen und Worte für seine Weise, vom Glauben zu reden – offen, einladend, eindrücklich, aber nie übergriffig.

 

Mit dem Kampf um den Bau der Müllverbrennungsanlage Velsen und dem Aufbruch zum „Er­lassjahr 2000“ kamen in den Neunzigerjahren die Themen ‚Abfallvermeidung‘ und ‚Ent­schuldung‘ hinzu.

 

Bereits 1984 hatte die Gemeinde Karlsbrunn unter Werner Schumanns Beteiligung eine Ar­beitslosen­initiative gegründet, die mit der Eröffnung von „de Lade“ am 15. Dezember 1984 zum Vorbild für Kleider- und Second-Hand-Börsen in der Region wurde.

 

Seit den späten Achtzigerjahren war Werner Schumann Ausbildungspfarrer. Jörg Schmidt, Uwe Herrmann und Tim Kahlen haben bei ihm als Vikare das prak­tische Handwerkszeug erlernt. Der plötz­liche Tod seines eigenen Mentors und Freundes Gerd Glimm hat ihn 1989 sehr getroffen.

 

In drei Himmelsrichtungen war die ehemalige Gemeinde Karlsbrunn von Frankreich umge­ben, so pflegte Werner Schumann umfangreiche Kontakte in die protestantischen Nachbar­gemeinden. Zum 8.Mai 1995 initiierte er mit vielen Partnern jüdischen, christlichen und mus­limischen Glaubens ein interreligiöses deutsch-französisches Friedensgebet an der Chapelle Ste. Croix in Forbach. Der Erfolg rief nach Wiederholung und Werner Schumann moderierte die Vorbereitungsgruppe der Friedensgebe­te bis zu seiner Pensionierung 2006.

 

Schon Mitte der Neunzigerjahre erkannte Pfarrer Schumann die Notwendigkeit struktureller Ver­änderungen im Gemeindedienst der Region. So initiierte er erste gemeinsame Presbyteri­umssitzungen mit der Nachbargemeinde Ludweiler und die regionalen Gottesdienste.

 

Im Mai 1999 feierte Werner Schumann sein silbernes Ordinationsjubiläum in der Kirche Naßweiler. Im Januar 2003 zeigten sich erste Symptome einer Erkrankung an Morbus Parkin­son. Am 29. Januar 2006 wurde er mit Eintritt in die Freistellungsphase der Altersteilzeit in der Kirche Karlsbrunn aus dem Gemeindedienst verabschiedet. Seine Versetzung in den Ru­hestand erfolgte zum 1. August 2008.

 

Werner Schumann war von seinem neuen Wohnort Wittlich aus noch einige Jahre als Autor für die Ver­kündigungssendungen im Saarländischen Rundfunk tätig. Dabei thematisierte er auch das Leben mit der fortschreitenden Erkrankung, stellte Floskeln wie „Hauptsache ge­sund“ ein­drucksvoll infrage. Seine vielfältigen Kontakte in alle Welt und seine Beteiligung am Gemeindeleben im neuen Heimatort hielt er gemeinsam mit seiner Frau Chris­tine auf­recht, „so gut es eben geht“. Am Morgen des 3. Januar 2018 ist Werner Schumann nach lan­ger schmerzvoller Krankheit verstorben.

 

Mit Pfarrer Werner Schumann verlieren die, die ihn kannten, einen überaus freundlichen und zurück­haltenden, zugleich aber bestimmten Gesprächspartner mit einem unverwechselbar liebevollen Humor. Er konnte Menschen zusammenführen und traute ihnen etwas zu. Es ge­lang ihm über Jahrzehnte, einen vorbildli­chen Stil des Umgangs und der Konfliktlösung in seiner Gemeinde zu festigen, den er auch in die Kreissynode eingebracht hat. Als Prediger, Rundfunkautor und Seelsorger formulierte er punktgenau, was Menschen bewegte und suchte mit ihnen nach den Spu­ren Christi in ihrem Leben. Er half vielen, „mit den Worten der Menschen, die die Bibel aufgeschrieben haben“, „dem Leben auf die Spur zu kommen“. Seine weltweiten Kontakte eröffneten neue Horizonte und Blickrichtungen. Seine Bescheidenheit und sein Glaube an die Kraft Gottes, „der in seiner Liebe allmächtig ist“ und „in den klei­nen Leuten wirkt“, werden in Erinnerung bleiben.

 





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