01. April 2018

Der Kelch als Erinnerung: Daran, dass wir nicht alleine sind


Warum gehören wir denn als Christinnen und Christen zusammen, nennen einander Schwester und Bruder? Und was hat das mit Ostern zu tun? Durch Christus gehören wir alle zusammen, sind eine Gemeinschaft der Heiligen. Im Alltag vergesse ich das oft.

Dabei ist mein Alltag als Pfarrerin doch noch ziemlich kirchlich geprägt. Bei den meisten Menschen, auch denen, die mit der Kirche verbunden sind, ist das doch anders. Außer dann, wenn sie in die Kirche, in den Gottesdienst gehen, hat der Glaube mit ihrem Alltagsleben vermutlich wenig zu tun. Das ist so mit uns Menschen.

Nur durch Christus, den auferstandenen Christus, sind wir als Christinnen und Christen so miteinander verbunden. Hätte es Ostern, hätte es die Auferstehung nicht gegeben, dann gäbe es kein Christentum. Alles, worauf wir uns gründen, erklärt sich von Ostern her. Ohne Ostern wäre Jesus nur einer unter vielen Wanderpredigern geblieben. Dass ausgerechnet seine Verkündigung weitergesagt wurde und wird – über Jahrtausende und weltweit – das erklärt sich nur und allein durch unsere Hoffnung, die wir durch die Auferstehung Christi haben.

Das hat Paulus auch der Gemeinde in Korinth gesagt: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig.“ (1. Korinther 15,14-17a)

Einige von Ihnen sind möglicherweise verheiratet. Der Tag der Hochzeit war wahrscheinlich ein besonderer Tag – für die meisten hoffentlich unvergesslich. Ein Tag, an dem sie sich wie frisch verliebt gefühlt haben, an dem sie wahrscheinlich frisch verliebt waren. In Ihrem Alltag, fühlen sie sich da täglich frisch verliebt? Vermutlich eher nicht.

Das ist so mit unserem Leben. Es gibt die besonderen Momente, die besonderen Tage, die uns im Gedächtnis bleiben und die aus dem Rahmen fallen. Doch der Alltag ist anders.

Im Alltag muss man Waschen, Putzen, Bügeln…

Im Alltag muss man Ranklotzen und Geld verdienen…

Im Alltag gehören Essen und Schlafen irgendwie dazu…

Im Alltag fällt uns das Besondere oft gar nicht auf…

Trotzdem soll uns die Gemeinschaft des Sonntags und des Feiertags stärken – auch für den Alltag

Wir gehen nicht allein durchs Leben, wir stehen nicht allein und hilflos da. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Gott ist an unserer Seite – das dürfen und sollen wir im Abendmahl erfahren: Dass Gott uns begleitet und wir eingebettet sind in die Gemeinschaft der Heiligen.

Der Kelch kann und soll uns daran erinnern: „Da steht ein Kelch. Er ist ein altes, ausdruckvolles Zeichen für menschliche Gemeinschaft. Wie Freunde, wie eine Familie, ja wie eine Mannschaft, die gesiegt hat, so trinken wir alle aus diesem Kelch. Wir stehen nicht allein da vor Gott, sondern in der Gemeinschaft vieler Christinnen und Christen.

Deshalb auch im Bekenntnis jenes Wort von der „Gemeinschaft der Heiligen“, derer, die zu Gott gehören. Der Kelch schafft Zusammengehörigkeit vor Gott und Gemeinschaft unter uns über alle Unterschiede hinweg wie von Bildung und Besitz, von Einfluss und ‚Rang, von Begabung, Alter und Hautfarbe. Manchmal ist es ein sehr alter Kelch. Da haben sie sich gestärkt, die Reihen der Vorfahren in unserer Stadt, in unserem Dorf. Sie legten so wie ich ihre Lippen an das kühle Rund dieses Kelches und wurden getröstet und froh! Gemeinschaft der Heiligen! Jeder von uns bekommt seinen Platz zum Trinken an diesem Kelch. Sein Rand wird gedreht, jedesmal neu gereinigt vom Tuch, mit Alkohol getränkt. Es ist der Kelch der Gemeinschaft.“ (Heinrich Herrmanns, Kommt. Das Mahl der Kirche. Gedanken und Einladung zum Abendmahl. ©Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1993.

Der Kelch als Erinnerung: Daran, dass wir nicht alleine sind. Erinnerung daran, dass wir verbunden sind – mit Christus. Mit Christinnen und Christen in aller Welt – über Zeit und Raum hinweg. Das soll uns stärken!

„Der Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist's. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ (1. Korinther 10,16-17)





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