20. April 2018
Barbara Wehlen-Leibrock zu einem aktuellen Thema:

Ein Weg mitten durchs Leben


Sie wusste nicht, was auf sie zukam, denn es war ein Wagnis. Zwei Wochen Wanderung durch Portugal auf dem Jakobsweg bis zur spanischen Grenze. Auf dem Rücken den Rucksack mit allen Dingen, die man braucht für zwei Wochen Wanderung.

12 Kilo wog der Rucksack und mit jedem Tag hatte man das Gefühl, dass er schwerer wurde.  Warum macht man das?

Seit Harpe Kerkelings Erfolgsbuch „Ich bin dann mal weg“ ist der Jakobsweg stark frequentiert. Worin besteht die Faszination des Weges oder ist es nur ein Hype?

Beginnend von Porto am Meer entlang zur spanischen Grenze, 120 km zu Fuß, zwölf Kilo auf dem Rücken bei 40 Grad. Zuerst an der Steilküste am atemberaubenden Meer entlang, dann durch die Berge in Richtung Landesinnere. Dort die verbrannten Wälder und die teilweise sehr leeren Dörfer. Die Landflucht bei der nur noch die alten Menschen in ihren Dörfern zurückbleiben, ist nicht zu übersehen. Der Weg lässt keinen kalt. Zwölf  Kilo auf dem Rücken bei 40 Grad in einer Landschaft, die immer karger wird, da kommt man ins Nachdenken. Was brauche ich denn wirklich im Leben? Braucht man die vielen Kleider zum Wechseln für kaltes, warmes Wetter, den Lippenstift, das Haarspray oder die Sandalen auf dem Jakobsweg ? Letztendlich ist es ganz wenig, was der Mensch braucht. Wasser und etwas zu essen, das sichert sein Überleben, Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser“.  

Was ist für mich das, was ich wirklich brauche im Leben, was ist für mich das Notwendigste ? Diese Fragen bleiben, auch wenn der Wanderweg schon längst beendet ist. Jeder kann darauf seine persönliche Antwort finden. Wenn man sich einlässt auf diese Fragen, dann ist der Jakobsweg kein Hype, sondern ein Weg mitten durchs Leben.





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