16. März 2019
Juliane Opiolla zu einem aktuellen Thema:

Wie neues Leben enstehen kann


Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12, 21). Dass das funktioniert, das möchte ich gerne glauben! Dass ich das Böse überwinden kann durch das Gute, durch meinen Glauben, mein Denken, mein Reden und Handeln. Dass letztlich das Gute mächtiger ist ...

Manchmal aber habe ich eher den Eindruck, das Böse wächst überall in der Welt und auch in meinem nächsten Umkreis: Da herrscht in vielen Ländern soviel Terror und Krieg, dass Menschen zu Hunderttausenden fliehen. Da ist der politische und gesellschaftliche Umgangston von Hetze in den sozialen Medien, von Gerüchten und Betrug geprägt. Da sieht es an vielen Schulen schon unter Kindern und Jugendlichen ähnlich aus. Da passiert es mir selbst, dass ich zum Opfer von Unterstellungen werde – oder aber selbst den falschen Ton anschlage, wenn es um andere geht.

Das Böse scheint uns, scheint mich dann zu überwinden. Überwinde das Böse mit Gutem, rät mir der Apostel Paulus im Römerbrief.  Wie kann das aussehen? Zunächst einmal kann ich dieser Zusage einfach vertrauen: Du bist eine, die dazu fähig ist, Böses mit Gutem zu überwinden. Von Gott bist du dazu befähigt! Diese Einstellung erweitert meine inneren und äußeren Grenzen: Ich bin nicht hilflos, eingeengt von dem, was ich täglich an Bösem erlebe. Ich habe die Möglichkeit des Guten! Ich kann mich, inmitten von allem Bösen, für andere Menschen zu interessieren, für das, was auch in ihnen an Gutem steckt. Auch in denen, die mir zunächst einmal unsympathisch oder fremd sind. Ich habe die Möglichkeit, mich zu engagieren – und zwar für etwas, nicht in erster Linie gegen etwas. Wenn ich mich für einen guten Umgang miteinander und respektvolles Sprechen über einander einsetze, wenn ich Menschen in meinem Leben, in meinem Haus, in meinem Land und in meinem Herzen willkommen heiße, dann wirke ich Gutes. Und dieses Gute wirkt ganz von selbst gegen das Böse, überwindet es.

In der Passionszeit bedenken wir ja gerade das: Wie umzugehen ist mit dem Leid, dem Bösen und dem Tod, wie wir leben können in einer Welt voll alledem. Wie wir uns ausrichten können auf das Gute und auf das Leben. Wie wir uns senden lassen können von der Liebe Gottes. Jesus Christus war davon geprägt, dass er Menschen Zuwendung, Liebe und Leben gab. Und dass er wusste: Er ist von Gott gesandt, der Liebe ist. So hat Jesus den Tod und das Böse überwunden, indem er aufmerksam war für Möglichkeiten, das Gute und das Leben zu geben und zu fördern. Deshalb kann die Passionszeit zu einer Trainingszeit für uns werden:

Üben wir, das Böse mit Gutem zu überwinden. Schotten wir uns nicht ab gegen Menschen, die uns brauchen. Fällen wir keine Pauschalurteile, über niemanden, über keine Gruppen und keine Einzelnen. Sondern sehen wir jeden Menschen mit seinen Gaben zum Guten und zum Bösen. Seien wir aufmerksam, wenn ungerechtfertigt und unterschwellig Böses verbreitet wird, und reden und verbreiten wir Gutes.

 So kann neues Leben entstehen, wie wir es an Ostern feiern: Lassen dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!


Juliane Opiolla Kirchengemeinde Schwalbach
Pfarrerin Juliane Opiolla
Weizenhübelstraße 5
66359 Bous
Telefon: 06834/7801752




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