27. März 2018

Saarland dient als Testregion für optimale medizinische Versorgung von Bewohnern in Altenpflegeeinrichtungen


Wie die medizinische Versorgung von Bewohnern in deutschen Altenpflegeeinrichtungen optimiert werden kann, wird ab dem 1. April 2018 mit einem Projekt namens „SaarPHIR“ im Saarland getestet. Dabei ist auch die saarländische Pflegegesellschaft beteiligt, der auch die Diakonie Saar angehört.

SaarPHIR steht für „Saarländische Pflegeheimversorgung Integriert Regelhaft“ und ist möglich dank einer Förderung aus dem Innovationsfonds des Bundes in Höhe von 5,5 Millionen Euro. Durch den Fonds werden Projekte gefördert, die neue Erkenntnisse zur Verbesserung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung bringen. SaarPHIR wurde von der BARMER initiiert und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland, der Saarländischen Pflegegesellschaft sowie der Krankenkassen. Die Konsortialführerschaft des drei Jahre dauernden SaarPHIR-Projekts liegt bei der BARMER.

  

Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland, sagt: „Das Saarland eignet sich wegen seiner Größe und der Strukturen bei der medizinischen Versorgung von Patienten besonders gut als Testregion für SaarPHIR.“ Das Projekt solle die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Einrichtungen der Altenpflege zum Wohle der Bewohner intensivieren. Durch eine engere zeitliche und medizinisch-pflegerische Abstimmung der Haus- und Fachärzte mit dem Pflegepersonal in den Einrichtungen sollten unter anderem unnötige Einweisungen in Krankenhäuser vermieden werden. „Die Teilnahme ist für Ärzte, Pflegeheime und ihre Bewohner freiwillig“, betont Kleis. In Kürze werde begonnen, für die Teilnahme an SaarPHIR zu werben. Erste Pilotregion im Saarland sei Saarbrücken. Danach würden unter Berücksichtigung eines wissenschaftlichen Evaluationskonzepts zeitversetzt der Regionalverband Saarbrücken und die übrigen Landkreise folgen.

 

SaarPHIR stimmt Zusammenarbeit von Arzt und Pflegeheim besser ab

Die aktuelle medizinische Versorgung von Pflegeheimbewohnern ist davon gekennzeichnet, dass unterschiedliche Ärzte zu unterschiedlichen Zeiten mit eher kurzen sowie nicht immer abgesprochenen Anwesenheitszeiten ins Heim kommen. Standards der Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen sind nur vereinzelt vorhanden. SaarPHIR optimiert die strukturierte Zusammenarbeit von Arzt und Pflegeheim. Bei dem Projekt bilden niedergelassene Ärzte regionale Versorgerteams, die für die Altenpflegeeinrichtungen verfügbar und erreichbar sind. Den Ärzten wiederum stehen geschulte Pflegekräfte als Ansprechpartner zur Verfügung. Gemeinsam erstellen sie für die Bewohner individuelle Versorgungspläne, die die Arzneimitteltherapiesicherheit besonders beachten. Fall- und Teambesprechungen zwischen Ärzten und Pflegekräften ermöglichen, eine gemeinsame Sicht auf den Pflegeheimbewohner einzunehmen. Behandlungsschritte können besser als bisher abgestimmt werden.

 

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Saarland und die Saarländische Pflegegesellschaft (SPG) steuern bei SaarPHIR die Umsetzung der Behandlungsziele. Dr. Joachim Meiser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV Saarland, sagt: „Bundesweit einmalig sollen möglichst an rund der Hälfte der stationären Pflegeeinrichtungen an der Saar sogenannte Versorgergemeinschaften zwischen niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen gegründet werden. Am Anfang steht die Abstimmung der ärztlichen und pflegerischen Versorgung. Diese neue Versorgungsform soll den Beteiligten zum Wohle der Patienten den Aufbau einer vertrauensvollen, wertschätzenden und fachlich qualifizierten Zusammenarbeit ermöglichen. Mit der Bildung multiprofessioneller Teams sowie einem teamorientierten Arbeiten werden Ressourcen und Fähigkeiten gebündelt und Synergieeffekte hergestellt.“

 

Erweiterte Rufbereitschaft von Hausärzten und Vor-Wochenendvisiten

Der Vorsitzende der Saarländischen Pflegegesellschaft, Harald Kilian, sagt: „Eines der wichtigsten Ziele des Projektes ist es, unnötige Krankenhauseinweisungen für Bewohnerinnen und Bewohnern zu vermeiden, etwa wenn am Wochenende der behandelnde Arzt nicht zur Verfügung steht.“ So sicherten die Heimversorgerteams eine erweiterte Rufbereitschaft der Hausärzte und Vor-Wochenendvisiten. Dies sei ein großer Gewinn für die Pflegebedürftigen und das Pflegepersonal. „Zudem werden Fachärzte in die Versorgung eingebunden. Die Pflegeeinrichtungen stellen in den Häusern qualifizierte Ansprechpartner zur Verfügung, um die unterschiedlichen Arbeitsrhythmen zwischen freiberuflichen niedergelassenen Ärzten und Pflegeheimen im Schichtdienst aufeinander abzustimmen. Außerdem sollen in dem Projekt gemeinsam verbindliche, organisatorische und fachliche Regelwerke der medizinisch-pflegerischen Versorgung entwickelt, umgesetzt und wissenschaftlich bewertet werden“, so Kilian weiter. Die SPG vertritt die 146 Pflegeheime im Saarland mit fast 12.500 Bewohnern.

 

Neben BARMER, KV Saarland und SPG beteiligen sich an SaarPHIR die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, die Knappschaft Bochum – Regionaldirektion Saarbrücken, die DAK Rheinland-Pfalz/Saarland, die IKK Südwest, die Techniker Krankenkasse Saarland, die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau - Landwirtschaftliche Krankenkasse, der BKK Landesverband Mitte und der Verband der Ersatzkassen. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von der Bergischen Universität Wuppertal, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes und der Universität des Saarlandes. Weitere Projektpartner sind die Apothekerkammer des Saarlandes, die Ärztekammer des Saarlandes, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung im Saarland sowie der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar.





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