23. Juni 2019
Barbara Wehlen-Leibrock zu einem aktuellen Thema:

Was ihr dem Geringsten meiner Brüder angetan habt, das habt ihr mir angetan (Matthäus 25,40)


Als die Menschen sahen, dass sie nicht mehr in ihrem Land bleiben konnten, dass sie Hunger litten, dass sie gefoltert wurden, wurden sie sehr betrübt. Sie hatten Angst um ihr Leben und wussten nicht, wie sie ihre Lieben ernähren und schützen sollten.

Da hörten sie von einem gelobten Land, in dem Honig und Wasser sprudelte. So fassten sie einen Plan, dieses Paradies zu erreichen. Doch dazu mussten sie mehrere Länder durchqueren und über das offene Meer fahren. Als die Verzweiflung immer größer wurde, blieb ihnen nichts Anderes übrig, als dieses Wagnis einzugehen. Der Weg war beschwerlich und viele starben auf dem Weg.

Nach endlosen Wanderungen durch die Nacht, durch vermintes Gebiet und auf steinigen Pfaden erreichten sie das Boot, das sie über das Meer ins gelobte Land bringen sollte. Sie staunten, wieviel Menschen auf ein solch kleines Boot passen sollte. Dicht gedrängt saßen sie nebeneinander in einem Boot, um sie herum nur das Meer. Sie jubelten, als sie nach einer qualvollen Überfahrt das gelobte Land in Sicht hatten. Der Kapitän schickte eine weiße Taube an Land mit der Bitte mit den vielen Menschen im Paradies landen zu dürfen.

Die Taube kam zurück und hatte keinen Ölzweig, sondern einen scharfen Stein im Schnabel. Der Kapitän schickte Bilder von den qualvollen Zuständen auf dem Boot und bat, an Land gehen zu dürfen. Das Paradies sei nur für Insider, wurde ihm mitgeteilt. Er solle weiterziehen. Die Medien griffen das Thema auf und jeder im Paradies konnte lesen, was vor den Toren des gelobten Landes passierte. Doch das Paradies verschloss seine Pforten und die Menschen blieben draußen.

Sind wir nicht alle Kinder Gottes, fragten sich die Christen, ist es nicht unsere Aufgabe, diesen Menschen zu helfen? Ungehört verhallten diese Fragen in den Ohren der Zuständigen. Selbst als sich der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche mutig auf den Weg machte, wurde es ihm verwehrt, Türen zu öffnen. So bleibt als Fazit, dass die Politik für die weiße Taube keinen Ölzweig hat und die Welt dabei zuschauen muss.





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