04. Juli 2020
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Bis zum letzten Gericht


Nun will sie auch noch vor den Europäischen Gerichtshof: Marlies Krämer aus Sulzbach. Dabei will sie eigentlich gar nicht vor Gericht. Sie will nur Kundin genannt werden und nicht ‚Kunde‘. Und wer im Deutschunterricht aufgepasst hat, weiß, dass sie Recht hat. Sie ist Kundin, weil die weibliche Form von Kunde nun einmal nicht ‚Kunde‘ ist.

Natürlich gibt es jetzt die vielen Einwände, dass es doch schon immer so war, dass Frauen mitgemeint sind, wenn von Männern die Rede ist. Und außerdem, was diese Prozessiererei alles kostet und wie sehr es Gerichte belastet.

Ob das alles Sinn macht und ob sie sonst nichts Schönes hat im Leben, das sind keine Fragen, die ich beantworten muss. Sie ist eine Kämpferin und es ist ihr Leben. Und wenn sie dafür kämpfen will, ihr Recht zu bekommen, dann soll sie es tun.

Was mich nach wie vor wundert ist die Sturheit einer Bank, die nicht bereit ist, ihr Formular zu verändern. Umso mehr, da Formulare heute ja nicht mehr vorgedruckt in der Schublade liegen, sondern im PC gespeichert sind. Es wäre ein leichtes gewesen, das zu ändern, aber der Bank geht es wohl auch ums Prinzip: Wir wollen weiterhin gerne eine Frau Mann nennen dürfen, wenn uns danach ist.

Ich gebe gerne zu: Gerechtigkeit ist spaßbefreit. Wir dürfen, wenn wir brüderlich und schwesterlich leben wollen, nicht mehr Negerkuss oder Mohrenkopf essen, keine Blondinenwitze oder Menschenfresser-Karikaturen genießen. Und selbst wenn wir in Berlin U-Bahn fahren, dürfen wir nicht mehr an der Station Mohrenstraße aussteigen. Die wurde nämlich umbenannt.

Nein, Spaß macht das Vermeiden solcher Sprachfallen nicht. Aber ich glaube nicht, dass wir auf Dauer drum herumkommen. Egal ob es um Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus geht. Wir müssen damit leben, dass unsere Vorfahren fanden, dass die weiße ‚Rasse‘ überlegen sei und dass die Frau dem Mann unterzuordnen sei. Deshalb bin ich auch kein großer Freund davon, jetzt alle Denkmäler von Bismarck und anderen Rassistinnen und Rassisten abzureißen. Das ist teil unserer Geschichte. Aber zu unserer Geschichte gehört auch, dass wir nie aufhören, dazuzulernen. Und das will ich mir von niemandem verbieten lassen.

Und so wie ich lernen musste mit Computern und neuerdings auch mit ‚Zoom‘ umzugehen, so muss ich auch immer wieder neu lernen, mit Sprache umzugehen, meine Worte so zu setzen, dass sich Menschen nicht verletzt fühlen.

 

Losung für Samstag, den 4.7.2020:

Der HERR spricht: Ich will mich zu euch wenden und will euch fruchtbar machen und euch mehren und will meinen Bund mit euch halten. 3.Mose 26,9

Auf alle Gottesverheißungen ist in Jesus Christus das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. 2.Korinther 1,20

 

In Gesangbuch steht ein Gebet (eg 865):

Schöpfer des Lichts, Sonne meines Lebens,

ich danke dir für diesen neuen Tag.

Hilf mir, deinen Willen zu erkennen und zu tun.

Gib mir Kraft für die Aufgaben, die mir gestellt sind …

Gib mir Mut für die Schritte, die ich tun muss …

Gib mir Liebe zu den Menschen, die mir begegnen …

Lass mich erfahren, dass du mir nahe bist in allem, was heute geschieht.

 





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