30. Juni 2026

Kirchliche Hochschule Wuppertal schließt Lehrbetrieb zum Semesterende


Am Freitag, 3. Juli 2026, um 19 Uhr schließt die Kirchliche Hochschule (KiHo) Wuppertal das letzte Lehrsemester im grundständigen Pfarramts-Studiengang an dem Ort mit einem Gottesdienst, an dem sie das erste Semester im Jahr 1935 mit einem Gottesdienst eröffnete: in der Kapelle des Evangelischen Friedhofs in der Hugostraße, Wuppertal. Die Predigt hält Prof. Dr. Konstanze Kemnitzer. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Historischer Hintergrund

Für die KiHo Wuppertal ist die Kapelle ein besonderer Ort, weil er wie kein anderer für ihre Gründung von mehr als 91 Jahren steht. Eigentlich wollten die Gründer und Gründerinnen die Eröffnung der KiHo am 1. November 1935 in der Gemarker Kirche im Zentrum von Barmen feiern. Die Gründung folgte damals der Erkenntnis, dass die evangelische Kirche für die Ausbildung ihres Pfarrernachwuchses selbst verantwortlich werden müsse, da die Gleichschaltung der theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten durch das Nazi-Regime die Grundsätze des christlichen Glauben zunehmend in Frage stellte.

In der Gemarker Kirche hatten Mitglieder der Bekennenden Kirche rund eineinhalb Jahre zuvor schon einmal den Mut bewiesen, gegen das Führerprinzip der Nazis Stellung zu beziehen. In der „Barmer Theologischen Erklärung“ hatten sie am 31. Mai 1934 sechs Thesen veröffentlich, die sich gegen die falsche Theologie und das Kirchenregime der „Deutschen Christen“ richtete, die damit begonnen hatten, die evangelische Kirche der Diktatur des „Führers“ anzugleichen.

Nun also wollten sie am selben Ort den Lehrbetrieb der Kirchliche Hochschule mit einem Gottesdienst eröffnen. „Aber sie fand[en] die Kirchentüren verschlossen. Die Gottesdienste waren verboten. Die Gemeindemitglieder wurden von der Polizei aufgefordert, nach Hause zu gehen“, dokumentieren die Autoren Hartmut Aschermann und Wolfgang Schneider in dem Buch „Studium im Auftrag der Kirche“ die ausweglos erscheinende Situation. Einige Presbyter, Pastoren, Dozierende und Studierende machten sich daher kurzentschlossen auf den rund einen Kilometer langen Weg in die Kapelle des Gemeindefriedhofs an der Hugostraße. „Dort fand der Gottesdienst doch noch statt“, schreiben Aschermann und Schneider.

Tatsächlich nahm die KiHo anschließend für mehr als Jahr den Lehrbetrieb auf – verdeckt als Abteilung B der Theologischen Schule Elberfeld e.V. – bis sie am 14. Dezember 1936 von der Geheimen Staatspolizei (GeStaPo) geschlossen wurde. Nach dem Ende der Nazi-Diktatur wurde sie am 1. November 1945 wiedereröffnet. Der Lehrbetrieb im grundständigen Pfarramts-Studiengang dauerte anschließend 81 Jahre an.

Am 3. Juli 2026 endet er aber nun wohl für immer. Denn nach dem Schlussgottesdienst in der Friedhofskapelle an der Hugostraße wird die KiHo abgewickelt - und am 31. März 2027 wird die traditionsreiche Hochschule – eine der zwei letzten in Deutschland, die sich in kirchlicher Trägerschaft befindet - gänzlich geschlossen.

Text: KiHo Wuppertal, Frank Grünberg





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