29. April 2026
Käte Hamburger Konzert in der Johanneskirche: Abgebrochene Traditionen hörbar machen
In Kooperation mit der Johanneskirche Saarbrücken lädt das Käte Hamburger Kolleg CURE unter dem Titel „Abgebrochene Traditionen hörbar machen“ zu einem besonderen Konzertabend ein. Dieser findet am Mittwoch, 29. April, um 19 Uhr in der Johanneskirche in Saarbrücken statt. Die japanische Pianistin Naoko Christ-Kato spielt Klavierwerke von Rosy Wertheim. Anschließend präsentiert der palästinensische Komponist Bakr Khleifi eigene Werke mit der Oud, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt.
Im ersten Teil spielt die renommierte japanische Pianistin Naoko Christ-Kato Klavierwerke von Rosy Wertheim (1888–1949), einer verfolgten jüdischen Komponistin aus den Niederlanden. Wertheim, die sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte, hielt sich mehrere Jahre lang versteckt und organisierte geheime Konzerte verbotener jüdischer Komponisten. Sie überlebte den Zweiten Weltkrieg, konnte jedoch nach Kriegsende als Komponistin nie wieder richtig Fuß fassen, so dass ihr Werk heute kaum bekannt ist.
Naoko Christ-Kato, die in Tokio, Hannover und Lübeck Klavier studierte, ist Preisträgerin des Young Artist Piano Contests und des Best Players Contests in Japan sowie Stipendiatin des Deutschen Musikrats und der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Entdeckung und Aufführung von Werken vergessener und verfolgter jüdischer Komponistinnen und Komponisten.
Der zweite Teil des Konzertabends wird von dem in Jerusalem geborenen Musiker und Komponisten Bakr Khleifi bestritten. Bakr Khleifi ist ein palästinensischer Oud Spieler. Er studierte Kontrabass an der Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv und Oud an der Universität Göteborg, wo er einen Abschluss in World Music erhielt. Mehrere Jahre lang spielte er im von Edward Said und Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, das aus arabischen und israelischen Musikern besteht und sich weltweit für Frieden im Nahen Osten einsetzt.
Am 29. April präsentiert Khleifi eigene Kompositionen und Improvisationen für die Oud, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Instrument auch in den USA und in Europa etwas populärer – allerdings kennen es bis heute selbst Profimusiker oft nicht. Mit seinen Stücken stellt sich Bakr Khleifi in die lange, in der westlichen Welt bislang nur wenig anerkannte arabische Musiktradition, die er an diesem Konzertabend mit europäischen Musikstilen verbindet.
Den Übergang zwischen beiden Teilen des Konzerts bilden von Bakr Khleifi präsentierte arabische Musikstücke aus Ägypten und dem Irak von jüdisch-arabischen Komponisten, die dort als große Klassiker bekannt sind, hierzulande aber so gut wie nie gespielt werden. Ergänzt wird das Programm durch kurze Einführungen der Musiker zu den aufgeführten Werken.
Die freien Spenden des Abends kommen dem Kulturzentrum LOSA – Maison des Arts in Kinshasa zugute.